MIKROCHEMISCHE NACHWEISREAKTIONEN

Mikrochemische Nachweise sind zwar recht unempfindlich - man benötigt Lösungen, die etwa 1 - 10 Gramm Substanz pro Liter enthalten - dafür kommt man jedoch mit sehr geringen Mengen aus: Da zur Durchführung einer Reaktion schon ein Tropfen Lösung genügt entsprechend 30 mg, liegt die Nachweisgrenze zwischen 0,3 und 0,03 mg, in günstigen Fällen sogar noch deutlich unter diesen Werten! Man verwendet diese Methoden daher auch heute noch für schnelle Vorproben, für orientierende Mineraluntersuchungen oder für praktisch zerstörungsfreie Untersuchungen wertvoller Gegenstände. Gewöhnlich wird ein winziger Splitter der Probe auf den Objektträger gelegt, mit einem Tropfen Säure erhitzt und mit einem Deckglas bedeckt. Dann setzt man vom Rande her ein geeignetes Nachweisreagenz zu und untersucht die Kristalle. Wegen der meist typischen Kristallformen sind derartige Nachweise sehr selektiv und aussagekräftig.

Kaliumperchlorat Bleijodid  

Man kann sogar extrem reaktionsträge Mineralien untersuchen, indem man einen Splitter des Minerales mit einem geeigneten Aufschlußmittel vor dem Lötrohr in der Platinöse erhitzt. Da hierbei örtlich Temperaturen von weit über 1000 °C erreicht werden, gelingt auch der Aufschluß chemisch äußert resistenter Mineralien. Die Schmelzperle wird dann auf dem Objektträger gelöst und mikrochemisch weiter untersucht.

Löst man z.B. ein wenig Zigarettenasche in einem Tropfen Salzsäure und gibt dann etwas Perchlorsäure hinzu, so erhält man die typischen "Sargdeckelkristalle" des Kaliumperchlorates, die im polarisierten Licht wie Edelsteine funkeln. Pflanzenasche enthält somit Kalium, weshalb man Kaliumsalze als Dünger verwendet, nicht jedoch Natriumsalze, denn Natrium ist für alle Landpflanzen giftig.

Im zweiten Beispiel wurde etwas weißes Farbpigment in Salpetersäure gelöst und mit wenig Kaliumjodid versetzt. Die gelben sechseitigen Tafeln sind typisch für Bleijodid - das Farbpigment war also Bleiweiß und nicht, wie heute allgemein üblich, Titanoxid. Verläuft dieser einfache Nachweis auf Blei bei der weißen Farbe eines alten Gemäldes negativ, so ist dies zumindet ein Hinweis auf das Vorliegen einer Fälschung, erst recht natürlich, wenn sich die weiße Farbe als modernes Titanoxid entpuppt!

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